Liebes Soko,
schon wieder gibt es einen neuen Werbeflyer von Euch und ich stelle mal wieder fest: das Havanna heißt am Sonntag nun tatsächlich „Frauenkneipe“. Nicht, daß mir an dem identitären „FrauenLesben“ so wahnsinnig viel liegen würde, aber „Frauenkneipe“ klingt noch viel scheußlicher, in etwa so wie „Frauenklo“ „Frauensauna“ „Frauenschwimmbad“ oder am besten doch gleich Kaffekränzchen.
Aber nicht dieser Name ist der Anlaß Euch zu schreiben, vielmehr sind es die kleinen Zeichnungen, die Euer Blättchen - natürlich in Lila – zieren, die meinen Widerspruch hervorrufen, die ich im höchsten Maße ärgerlich finde. Ihr scheint es tatsächlich für des Fortschritt letzten Clou zu halten, unrasierte Beine für ein Zeichen der Emanzipation zu erklären. Ich habe damit diverse Probleme: zu aller erst einmal finde ich rasierte Beine, glatte Haut, geschmeidigen Teint für unbeschreiblich sexy – an mir – an Männern - an Frauen - einfach überall! Würde ich mich nun dem Club der Feministinnen nahe fühlen, hatte ich jetzt wahrscheinlich eine wahre Identitätskrise, müßte mich ja nun fragen, ob ich überhaupt emanzipiert sei, ich müßte mich wahrscheinlich fragen, was das denn für seltsame Bedürfnisse sind, vielleicht sind sie künstlich, durch irgendjemanden oder etwas beeinflußt, vielleicht entspringen sie gar nicht meiner eigenen Natur, ich habe sie vielleicht in irgendwelchen Hochglanzbroschüren aufgeschnappt oder sie mir durch die böse Werbung einreden lassen. Kurz gesagt, ich hätte über viel unnützes Zeug nachzudenken und kann von Glück reden, daß ich diesem Club nicht angehöre.