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Oktober 2006

Kreisler, sei artig

Über einen unerträglichen Abend namens "Wiener Melange" mit Pruniella Fuchs (Gesang) und Christoph Schmidt (Flügel) in der Marburger Waggonnhalle

Eine "Wiener Melange" gab es am Samstag in der Marburger Waggonhalle, Pruniella Fuchs stand da eineinhalb Stunden auf der Bühne, und strengte sich an, zu singen ohne auch nur ein wenig zu rühren, und sei es nur an irgendetwas. Das ganze hätte wohl besser "Wiener Mansch" heißen sollen, bei dem es darum geht, Liedchen zu trällern, die alle irgendetwas mit Wien zu tun haben, das hat den Vorteil, daß man das Wienerische so fein nachmachen kann. Das alles wäre höchst belanglos, ärgerlich nur für jene, die Geld dafür ausgegeben haben oder für die, die sich mal wieder darin bestätigt fühlten, in was für einem kulturellem Nest man in der Marburger Glocke eigentlich sitzt - wahrscheinlich hat dies aber niemand bemerkt. Durch die Auswahl der Lieder, der Autoren und nicht zuletzt durch die Abänderung von Liedtexten, die ihnen das Salz aus der Suppe nahmen, wirkte der Abend nicht nur fad, sondern geriet zu einer unerträglichen Aneignung und Umarmung von Künstlern, die sich dieses in dieser deutschen Weise wohl verbitten würden: In diesem Mansch war es möglich abwechselnd Lieder von Hans Moser - dem Schauspieler, der neben Heinz Rühmann im NS groß geworden ist - und dem einstigen Emigranten Georg Kreisler vorzutragen, alles unter dem Ticket "alte und neue Wiener Lieder".