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Auf jede Taube eine Haube

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Immer das selbe: die Friedensbewegung und der Terror

Es gibt zahlreiche Bewegungen, in denen die meisten Elemente aktueller deutscher Ideologie kulminieren. Sie verstehen sich in der Regel als besonders links, nennen sich emanzipatorisch und wähnen sich unglaublich widerständisch. Mit dem ersten Punkt liegen sie - betrachtet man es empirisch - leider gar nicht so falsch, mit dem zweiten bleibt zu hoffen, daß es möglich sein könnte, einer anderen Art Emanzipation zur Geltung zu verhelfen, in dem dritten Punkt wissen sie sich mit allen einig, mutig und laut seine Meinung zu sagen gilt hier besonders dann etwas, wenn sich von der Regierung bis zum letzten Gewerkschaftsfuzzi alle mit einer Stimme reden und sich dennoch gegenseitig versichern, es gehöre Mut zum eigenen Standpunkt. Besonders angenehm ist dies, wenn dieser mutig und laut vertretene Standpunkt von allen geteilt wird und niemand überhaupt merkt wie unsinnig und auch wie wenig eigen das gesprochene ist. So hat es die Friedensbewegung im Jahre 2002 geschafft, sich massenweise auf den Straßen zu versammeln, um gegen den Sturz des Terrorregimes von Saddam Hussein durch die USA lautstark zu protestieren und zu demonstrieren, obwohl es zumindest hier in Deutschland kaum jemand gab, der diesen Freunden von Folterregimen widersprochen hätte.

Fast könnte man meinen, hunderttausende hätten sich völlig umsonst die Füße wund gelaufen, wäre es nicht so ein wohliges Gefühl gewesen, in Deutschland gemeinsam den USA endlich mal wieder lauthals seine Meinung zu präsentieren, nämlich das deren Kriege stets nur Unheil brächten und auf jeden Fall sinnlos sind. Schon Udo Lindenberg, Ikone der deutschen Friedensbewegung, sang einmal: "Papa, wozu sind Kriege da?" um darauf zu kommen, daß es niemals einen Sinn gehabt hat, einen Kieg gegen Nazideutschland zu führen.

Nun ist bald wieder Ostern und Zeit für das jährliche Großereignis der deutschen Friedensbewegung: Die Ostermärsche. In diversen Städten finden in diesem Jahr insgesamt 76 Veranstaltungen statt, da dürfte es jedem leicht fallen, in seiner Nähe das passende zu finden. Und wieder, wie vor 4 Jahren, weiß die Bewegung genau, auf welche Seite sie sich zu schlagen vermag: gegen die USA, das war in der deutschen Friedensbewegung schon immer so, soll diesmal der Iran vor einem Angriff geschützt und verteidigt werden. Die Friedensbewegung möchte gerne den Kampf gegen den Terror beendet haben, wobei sie Kampf gegen Terror,der ja eigentlich auch war on terrorism heißt, stets in Anführungszeichen setzt. Genausogut könnten sie auch von einem sogenannten Terror, einem angeblichen Terror reden, denn die Friedensbewegung macht, ganz ihrer Tradition folgend, die USA zum Terroristen; im Aufruf zum Ostermarsch Ruhr heißt es ganz dezidiert: "Bewußt wird viel größeres Leid in Kauf genommen als durch Terror geschehen ist. Krieg selbst ist Terror." Über das Leid ,welches durch Terror geschehen ist schweigen sich sämtliche Aufrufe zu den Ostermärschen komplett aus. Wie schon zu Zeiten des Irak-Krieges verlieren sie keinen Satz, nicht einen Gedanken an die Opfer isalmischen Terrors in New York, Madrid; Bali; London, Casablanca und Israel. Mehr noch: es scheint, als würden diese Opfer gar nicht existieren, wären nur ein Propagandatrick der USA, um ihre eigentlichen Interessen - diese sind immer im Öl zu suchen - zu vertuschen. Nicht nur im Aufruf zu der Bremer Demonstration ist denn auch von einer "Stimmungsmache gegen Islam" die Rede: "Die Mohammed- Karikaturen haben in der letzten Zeit deutlich gemacht, dass von westlichen Regierungen und Medien ein Feindbild des Islam aufgebaut wird, der angeblich die sogenannte "christliche" Leitkultur gefährdet" Dieser Satz - der auch noch grammatikalisch leicht vequastet daherkommt - ist überhaupt nur verständlich auf dem Hintergrund der letzten Monate, in denen es sich offenbar durchgesetzt hat, daß der Islam in seinem terroristischen Ausgepräge hier anklang findet und Teil des politischen Selbstverständnis ist.

Dem "unglaublich

Dem "unglaublich Widerständischen" der Pseudo-Friedensaktivisten ist hier eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, besonders was deren Auffassung vom "Mut zum eigenen Standpunkt" und die krampfhafte Selbsterniedrigung unserer Kultur gegen die Barbarei angeht. Und doch fiel mir bei der Lektüre dieses lesenswerten Artikels etwas (für mich) vollkommen Neues auf.
Warum begibt man sich zu dieser Jahreszeit nicht - etwa mit diversen Naturfreunden - auf eine Oster-Wanderung? Warum schnappt man sich nicht das (zuweilen unhasige) Gretchen beim Patschhändchen und unternimmt mit ihm einen lustigen Oster-Spaziergang? Nein, ein OsterMARSCH muß es sein. Wie zackig.

Das etymologische Lexikon spuckt aus, daß sich die ursprüngliche Bedeutung von Marsch "eine Marke setzen" im 30jährigen Krieg zu "Gangart; geschlossene Bewegung eines militärischen Verbandes" veränderte. Daher auch die begleitende Marschmusik (die "Trommler" des 20. Jahrhunderts sind uns noch zu genau im Ohr), die Marschverpflegung und das Marschgepäck. Die Methode, gröhlend das Wegsehen zu fördern und denjenigen, die sich das nicht gefallen lassen wollen, gleichzeitig ein schlechtes Gewissen einzureden, ist also kriegerischen Schritten näher, als es den Anschein hat. Die Namensgebung kommt wohl nicht von ungefähr.

Im Altfranzösischen findet man beim Marsch noch die Bedeutung "mit den Füßen treten". Der Leser mag entscheiden, ob es sich dabei um den schwankenden Boden handelt, auf den man sich mit den Ostermärschen [nie darin den Buchstaben "m" vergessen!] zwangsläufig begibt, und/oder die letzten Zuflüchte eigenständiger Gedanken.

Gruß
KK

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