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Betrifft: Friedensforschung

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Ein Pladoyer für die Schließung eines Fachbereiches

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Vor einiger Zeit gab das Kosmopolitbüro in Marburg die Broschüre "Intifada an der Uni" heraus. Ein Seminar am Institut Politikwissenschaft mit dem Titel "Der Nahostkonflikt und die sozialistische Internationale", in dem Studenten endlich mal ganz offen über Israel vom Leder ziehen durften, veranlaßte die Gruppe damals zu dieser Intervention. Diese Schrift lies die Wellen hochschlagen: während man am Fachbereich mit Nervösität die Autorinnen ausfindig machen wollte wegen unflätigen Beleidungen (und als dieses wird Kritik am Antisemtismus ja immer verstanden) fühlte man sich in der linken Szene durchweg auf den Schlips getreten, immerhin hatte es jemand gewagt, linke Marburger Ikonen wie Kühnl und Abendroth auseinanderzunehmen und darüber hinaus in einem Editorial diverse linke Projekte des mittelhessischen Kleinstädtchens als rückständig, reaktionär und vor allem mit dem Islam kollaborierend zu beschreiben.

Verbessert hat sich der ideologische Ausfluss an diesem Fachbereich freilich nicht, im Gegenteil: Mit dem Institut "Friedens- und Konfliktforschung" haben antiamerikenische Israelhasser dort seit einigen Jahren einen eigenen Fachbereich, in dem sie sich unter sich wähnen und Parteinahmen für Israel mit fragenden Blicken - "wo kommt die denn her" - quittieren, die Vernunft scheint hier unter den Stühlen der Seminaristen begraben zu sein. Die offene Gegnerschaft zu den USA, zu Israel und überhaupt zum Westen scheint hier eine Studienvoraussetzung zu sein. Eine Ikone dieses Faches ist Johann Galtung, der auch in Marburg schon mehrfach zu Gast war. Er trägt den alternativen Friedensnobelpreis, den auch die notorische Antisemitin Felicia Langer einst bekam. Er ist ein Unterstützer des Populisten Hogo Chavez, der gemeinsam mit Ahmenideschad gegen die USA und Israel antritt. Am 4. und 5. Dezember gab es in Marburg Galtung satt: einen zweitägigen Lehrgang veranstaltete ein AstA Referat mit dem vielsagenden interkulturelle Konfliktforschung Namen Die Studis himmeln ihn an: "Ich bin in Marburg und darf an einem zweitägigen Lehrgang mit Johan Galtung teilnehmen." jubelt einer von ihnen auf seinem blog.

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I. Johan Galtung hat ja so recht, wenn er feststellt: Die Analyse der Herrschende ist immer die herrschende Analyse, das ist richtig, da es banal ist; genauso gut könnte er sagen, der herunterfallende Apfel ist der Apfel, der herunterfällt oder auch die Analyse der dummen ist immer die dumme Analyse, die Analyse der Antisemiten ist immer die antisemitische Analyse, wiewohl hier von einer wirklichen Analyse nicht gesprochen werden kann; und somit enthält diese Aussage weder einen Wahrheitsgehalt noch einen Erkenntnisgewinn; genauso sagt Galtung:
Die allgemeine These von Marx ist die, daß das Elend des Proletariats Auslöser eines Befreiungsimpulses sein wird. Dies ist eher eine traditionelle fixe Idee der Linken, als das es wirklich etwas mit Marx zu tun hätte, der in der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft auch die Möglichkeit zu der Befreiung der Individuen aus elenden Verhältnissen sah und somit die Vorbedingung für die Befreiung der Menschen aus Verhältnissen, in denen diese geknechtete sind. Marx verachtete antikapitalistischen Rückschritt, der lediglich darauf abzielte, zivilisatorische Errungenschaften wieder Rückgängig zu machen, die unter anderem darin bestanden, Individuen nicht mehr unvermittelt der Barabarei und Naturzusammenhängen willkürlich auszuliefern. Aber der Vater der Deutschen Friedensfreunde will hiervon nichts wissen und so ist es auch nur folgerichtig, daß Galtung in einem Interview auf die Frage: Ist es nicht besser, von einem Konzern ausgebeutet zu werden, als von einem Patriarchen und seinen Scherge? der Barbarei den Vorzug gibt: Das glaube ich nicht. Von Abstraktion will Galtung nichts wissen, und so schreibt der Professor:Wenn man das kapitalistische System als ein Weltssystem betrachtet, gibt es eine Menge Elend, vor allem in den Ländern des Südens. Galtug behauptet, die USA hätten seit 1945 permanent in isalmische Länder interveniert, und freut sich darüber, daß dies ganz andere Kräfte auslöst, als die von Marx beschrieben – also Barbarei statt Revolution, was er sich nämlich wünscht ist eine Islamische Revolution, weltweit, der den Vereinigten Staaten den Garaus macht. Dies ist seine Prophezeiung, nein, seine Beschwörung, er wünscht sich das US- Imperium, wie er es nennt, zum Teufel und sagt dies auch vorher: in 20 Jahren habe die FriedensIslamAntiglobalisierungbewegung dieses Übel besiegt. In seinem Antiamerikanismus muß er auch immer wieder betonen, daß es unmöglich ist, die Islamisten zu besiegen, reden müsse man mit ihnen und über deren Ziele vernünftig verhandeln. Wie eine völlig unreife Person möchte er ganz kulturrelativistisch, daß nicht die Amerikaner die absolute Wahrheit für die Menschen kennen würden. Dies könnte ja etwas mit Fortschritt, Kultur und Moderne zu tun haben, und genau dies verachtet Galtung zutiefst. So stellt er sich vor, daß den Menschenrechten wesentliches fehle, wie "Das Recht eines Dorfes zu existieren (d.h. nicht von einer Stadt geschluckt zu werden)" “ Gemeinschaft anstatt Gesellschaft, Gemeinnutz vor Eigennutz, es lebe das Racket, nicht nur hier lugt nationalsozialistische Ideologie deutlich hervor: sie ist Rückständig, wendet sich gegen die Urabanisierung und trachtet danach die Menschen zu vergemeinschaften.

II. So wundert es einen nicht, dass Galtung die Massenmorde vom 11. September 2001 als einen Vergeltungsakt betrachtet, den man verstehen muß, denn immerhin: Im Süden der Welt gibt es 500 Millionen Menschen mit einem Hass gegen die USA. Das sind Leute, deren Freunde oder Verwandte durch amerikanische Bomben gestorben sind. Galtung ist ein Freund des islamischen Terrors, er sieht in ihm eine begründete Notwehr von Menschen, die für ihr Recht einstehen, massenweise zu morden. Genau wie Reinhard Kühnl es auch tut, stellt er dem Terror einen Staatsterrorismus gegenüber, den er den islamischen Mördern zur Seite stellt, nein, den er als die eigentliche Ursache für jenes sieht, was er wie alle Friedensfreunde als Gewaltspirale bezeichnet, diese ist aufzuhalten, wenn Europa mit den Islamisten einen Frieden schließt. Wie alle Freunde des Friedens ist Galtung gegen Gewalt und weiß daher auch, daß man Gewalt nie mit Gegengewalt beseitigen kann.

Für Galtung ist alles gleich: Islamischer Terror, der Krieg der Alliierten gegen Nazideutschland, die Intervention der USA gegen Chile 1973, der Angriff der USA von Afghanistan und Irak. Dies unterlegt er mit einer widerlichen Zahlenarithmetik von Toten, wobei es offensichtlich ist, daß sich Galtung weder für die in Chile noch für die im Irak wesentlich interessiert. Er macht klar, daß es für Globalisierungsgegner einen Feind gibt und dies sind selbstverständlich die USA.

In einem Referat von 2002 "Multilaterale Lösungswege für Nahost" beschrieb Galtung einen Weg, an dessen Ende eines stehen würde: die Beseitigung des Staates Israel. Am besten ohne die Vereinigten Staten von Amerika einzubinden, fordert er, die westlichen Staaten – er meint also die europäischen – mögen zunächst einmal einen Paläsinsenserstaat anerkennen. Entschieden wendet er sich gegen eine Zwei-Staaten- Lösung: er möchte über einen Staatenbund einen Bundesstaat errichten, aus dem sich dann ein Einheitsstaat entwickeln sollte – das Ende des israelischen Staates wird so eingeläutet. Und er freute sich damals schon: „Der internationale Witschaftsboykott gegen Israel bahnt sich bereits langsam an.“ In den Vereinten Nationen möchte er die Rolle der arabischen Staaten noch mehr stärken, als wäre es nicht schon bedrohlich genug, daß hier eine Antiisraelische Resolution nach der anderen verabschiedet wird und auf den Rednerbühnen antisemitisch Haßtiraden eher zur Regel als zur Ausnahme gehören. Diese Tribute an den Antisemitismus bei Galtung sind keineswegs zufällig, sie sind Bestandteil der Grundidee der gesamten Frieden und Konfliktforschung, da diese Disziplin gar nicht anders als in „Konflikten“ denken kann. Nach dieser Ideologie gibt es in einem Konflikt divergierende Interessen, die es gilt zusammenzubringen. Das setzt allerdings vorraus, daß es überhaupt einen rationalen Kern der Divergenz gibt. Genau dies ist im Antisemitismus eben nicht gegeben, mit Judenhassern kann man nicht verhandeln. Aber wer – wie Galtung – von Antisemitismus nichts wissen will, findet eben nur „Lösungswege“, die für Israel bedrohlich sind.

:-)

:-)

Nachvollziehbar

Am 10. und 11.12.2011 fand in Bern ein J. Galtung-Seminar statt. Ich kann dem Beitrag in aller Form zustimmen. Bedenklich erscheint mir, dass der Erfinder einer an und für sich komplexen, schöpferischen und praktikablen Form der Mediation derart undifferenziert pathologisiert und in einem Monolog polemisiert ohne das daraus Konsequenzen folgen. Es muss nicht eine Frage des Antisemitismus sein, sondern viel mehr Schlusskonsequenz. Seine Grammatik der Einseitigkeit demontiert ihn zu einem epochalen Dinausaurier des Antisemitismus und verträumt-linksliberalen Verfechter des nichtgelebten Daoismus mit bourgeoisem Hintergrund. Müsste man J. Galtung nicht erheblichen Respekt für seine Methoden zollen wäre er lediglich als ein weiterer Revisionist in einer nicht endend wollenden Reihe von Aphorismen zu sehen: Ein Opfer seines eigenen Kampfs gegen die Aristotelsche Grundlage der Medienleitlinien? Ein (überbewerteter) Don Qiuxote, vorgeführt -oder sich selbst vorführend? - und eingeladen auf den Bühnen der Welt aus Respekt ggü einer sich selbst und andere karrikierenden Wiederholung einer degenerierten Gesellschaft? Es ist befremdend, aber auch bezeichnend dass J. Galtung eine Supervision nicht befürwortet; gerne wähnt er sich in der Halle der ganz Grossen. Etwas, dass ihm wohl aufgrund seiner bereits jetzt schon attestierten Entwicklungsresistenz sicherlich verwehrt werden muss. Transcend = ja, gerne, J. Galtung = nein, danke.

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