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Eine Stimme aus dem Hamburger Sumpf

Ich lese gerade Hermann L. Gremliza in der konkret: er interviewt Claude Lanzmann: "Monsieur Claude Lanzmann, vor einigen Wochen wollte eine linke Hamburger Gruppe Ihren Film "Pourquoi Israel" vorführen. Das hat eine andere Gruppe, deren Mitglieder sich für Antiimperialisten halten, verhindert. Es kam zu einer hysterischen Auseinandersetzung, in der die einen behaupten, die anderen hätten sie als "Judenschweine" beschimpft. Ich nehme an, man hat diese Geschichte auch Ihnen erzählt. Ich halte das für eine dumme Erfindung" Es sei, so führt Gremliza später aus, ein Kennzeichen linker Antisemiten, alles dafür zu tun, nicht als solche erkannt zu werden. Ach ja, wirklich? Deswegen legte man einst eine Bombe in ein jüdisches Gemeindehaus, selektierte jüdische von nicht jüdischen Passagieren in Entebbe, schwadroniert davon, die deutsche Linke hätte einen "Judenknacks", weswegen sie sich angeblich weigere, den Palästinensern ihre Solidarität offen gegen Israel zu zeigen? Gremliza irrt, weil er den Antisemitismus rationalisiert, natürlich wollen linke Antisemiten "Zionistenschweine" rufen, denken aber "Judenschweine" und wenn sie sich, wie an jenem Tag, so richtig antisemitisch in Rage gebracht haben, sagen sie das eben auch. Durchaus ist zu beobchten, daß rechte Antisemiten das ganz genau so machen: auch sie bezeichnen sich meist nicht als Antisemiten, beharren darauf, Antizionisten zu sein. An jenem Tag in der Hamburger Brigittenstraße konnte man übrigens auch folgendes beobachten: nachdem der Typ "Judenschweine" gerufen hatte, wurde er zurück gepfiffen und ihm etwas zugeraunt, es sah so aus, als hätte man ihn über die korrekte Sprachregelung unterrichten wollen, so, als hätte man ihm gesagt "Mensch, das heißt doch Zionistenschwein".
Gremliza scheint darüber hinaus etwas am Antiimperialismus der Linken retten zu wollen:“Das hat eine andere Gruppe, deren Mitglieder sich für Antiimperialisten halten, verhindert.“, so als wenn nicht der glühende Hass der Linken auf Israel nichts weniger als die logische Konsequenz des Antiimperialismus sei, der in irgendwelchen autochthonen Völkchen den Kampf gegen das Große böse - sei es nun Israel oder auch die USA - zu entdecken vermag und vermochte. Genau so, wie sich die B5- Leute am 25.10.2009 in der Brigittenstraße verhalten haben, verhalten sich Antiimperialisten, es ist ihr ureigenstes Metier.
Daß Gremliza die Auseinandersetzung als "hysterisch" bezeichnet, erklärt mir nun auch, weswegen die konkret auf die Hamburger Verhältnisse kaum eingegangen ist, dieses Interview ist der einzige eigenständige Beitrag zu dem antisemitischen Sumpf, in dem die Hamburger Linke sich suhlt, im Rest des Interviews werden im wesentlich genau die Fragen wiederholt, über die Lanzmann schon im Hamburger Luftschutzbunker im Januar erzählt hat und das kann man schließlich alles in der Spex nachlesen. Lanzmann übrigens antwortet auf Gremlizas Ausführungen: "Was meinen Sie mit `dumme Erfindung´? Ich glaube ernsthaft, dass Mitglieder dieser linksextremen Hamburger Gruppe "Schweinejuden" gerufen haben; das haben mir viele Leute erzählt, und ich sehe keinen Widerspruch zwischen der Tatsache, dass einer ein radikaler linker ist und ein Antisemit. Es ist gerade umgekehrt: diese Leute sind radikale Feinde Israels, die ihren Antisemitismus hinter der Maske des Antizionismus verstecken:"..."Ich jedenfalls bin nicht überrascht, daß sie "Judenschweine" gerufen haben." Dem ist nichts hinzuzufügen.

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