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Heimatfetisch Garage

In den letzen Wochen hat man gelernt, daß die Menschen oftmals zu verschieden sind, um sich überhaupt zu verstehen: Christen sind anders als Moslems, Humanität und der Gedanke, daß es nicht angehen kann, daß Menschen sich gegenseitig verstümmeln oder umbringen ein fixe Idee ignoranter Zivilisationsfetischisten. Da müsse man sich mit abfinden.
Die Frankfurter Rundschau rollt dieses Thema heute mal von einer ganz anderen Seite auf: dem ehemaligen DDR- Bürger geschieht zur Zeit ein Unrecht nicht gekannten Ausmaßes ohne das die Menschheit davon Notiz nimmt und genau deshalb ist es ein Thema für die FR, die stets weiß, sich auf die Seite der entrechteten und geknechteten zu stellen. Zudem wird sich die Hausbesetzer- Szene freuen, es ist nicht auszuschließen, daß sie in den nächsten Wochen Zulauf von unerwarteter Seite erhält: Möglich, daß es im Osten der Republik alsbald zu massenhaften Garagenbesetzungen kommen wird, weil diese Relikte aus der DDR- Zeit nun enteignet werden sollen. Aber was ist geschehen?

Man kann es sich vielleicht so vorstellen: In der DDR gestaltete sich der Kauf eines Autos als langwierig; um diese Schätzchen zu hüten, brauchten die Menschen dort Garagen um nach Herzenslust an ihrem Pappding herumzuschrauben, es zu pflegen und zu liebkosen, es dürfte nicht so sehr viel anders gewesen sein als in der BRD, wo es als einen Angriff auf die Deutsche Gemütlichkeit verstanden wurden als das regelmäßige Bespritzen des eignen Autos verboten wurde. Der Unterschied freilich war, daß man im Osten vorsichtiger zu Werke gehen mußte und auf Ersatzteile und Reparaturen lange warten konnte.
Anstatt sich auf diese Mangelwirtschaft ein fröhliches Liedchen zu pfeifen und froh zu sein, daß man sie hinter sich gelassen hat, verfällt man in tiefe Trauer, wenn diese Garagen, in denen die meisten neueren Autos ohnehin nicht hineinpassen, nun endlich der Vergangenheit angehören sollen. Klar, daß sich die PDS hier berufen fühlt, sich für die Leidenden einzusetzen und so ruft Klaus Bartl in Chemnitz einen Satz aus, der das Motto für alle Heimatbewegten werden sollte:"Die Verfassungsrichter haben gar keine Kennung, was eine Garage ist" Und nicht das da jetzt ein arroganter Richter behaupten würde, eine Garage sei ein Unterstand für ein Auto, so einfach ist das nicht, was allerdings Menschen, die nie in der DDR gelebt haben, niemals verstehen werden. Eine Garage ist ein "Refugium im sozialistischen Alltag" und damit schützenswert - wie die kleinen häßlichen Häuschen in denen man seine Kartoffeln noch selber ernten konnte und die man Datschen nannte, obwohl man die Polen gar nicht so gerne mochte. Und in diesen Garagen stecke Herzblut, weil man damals noch im Schweiße seines Angesichtes selber an seinem Auto und auch an der Garage rumwerkeln mußte: "Und wie viel Zeit und Aufwand in den Bau der Garage floss, man könne sich das alles gar nicht mehr vorstellen, wo jeder einfach in den Baumarkt gehe" Ja, verflucht seien die Baumärkte dieser kalten Welt. Das relevante an diesen Garagen sind allerdings die Garagengemeinschaften, die sich in dem Elend der DDR zusammenschlossen und die nun von Verfassungsrichtern in Zusammenarbeit mit Baumärkten zerstört werden: "Vor den Garagen trafen sich die Männer, die Ihre Autos noch selber reparierten. sich gegenseitig halfen, ein Bierchen tranken, miteinander schwatzten." Diese Szene klingt allerdings wenig symapatisch, es erinnert eher an männerbündische Rituale auf Proletarischem Niveau. Damals gab es unter deutschen Männern eben noch Zusammenhalt und eine tiefe Verbundenheit zu seiner eigenen Arbeit - darum geht es offenbar,denn Alkohol trinken und miteinander reden kann man ja schließlich auch ganz ohne Garage.

Da möchte ich aber doch

Da möchte ich aber doch ganz unmännerbündisch (und unsymbolisch) eine Lanze für den gepflegten GARAGENROCK (garage rock) brechen!

"Anarchy in the DDR".

Gruß
KK

Über Garagen gibt es -

Über Garagen gibt es - leider - Aktuelles zu berichten:

Zitat aus dem Artikel "Der Tod kommt aus der Garage", Berliner Tagesspiegel 1.8.2006:

Die Hisbollah verbunkert sich in bewohnten Gebieten, operiert mitten aus der Bevölkerung heraus. 100 Dollar, so wird berichtet, erhalten Familien im Monat, damit sie eine Katjuscha unterm Haus oder in der Garage verstecken. Wenn der zuständige Kämpfer seinen Einsatzbefehl bekommt, fährt er hin, zieht die Rakete aus dem Versteck, richtet sie aus und schießt sie ab.

Hier der link:

http://www.tagesspiegel.de/politik/archiv/01.08.2006/2688544.asp

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