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Kreisler, sei artig

Über einen unerträglichen Abend namens "Wiener Melange" mit Pruniella Fuchs (Gesang) und Christoph Schmidt (Flügel) in der Marburger Waggonnhalle

Eine "Wiener Melange" gab es am Samstag in der Marburger Waggonhalle, Pruniella Fuchs stand da eineinhalb Stunden auf der Bühne, und strengte sich an, zu singen ohne auch nur ein wenig zu rühren, und sei es nur an irgendetwas. Das ganze hätte wohl besser "Wiener Mansch" heißen sollen, bei dem es darum geht, Liedchen zu trällern, die alle irgendetwas mit Wien zu tun haben, das hat den Vorteil, daß man das Wienerische so fein nachmachen kann. Das alles wäre höchst belanglos, ärgerlich nur für jene, die Geld dafür ausgegeben haben oder für die, die sich mal wieder darin bestätigt fühlten, in was für einem kulturellem Nest man in der Marburger Glocke eigentlich sitzt - wahrscheinlich hat dies aber niemand bemerkt. Durch die Auswahl der Lieder, der Autoren und nicht zuletzt durch die Abänderung von Liedtexten, die ihnen das Salz aus der Suppe nahmen, wirkte der Abend nicht nur fad, sondern geriet zu einer unerträglichen Aneignung und Umarmung von Künstlern, die sich dieses in dieser deutschen Weise wohl verbitten würden: In diesem Mansch war es möglich abwechselnd Lieder von Hans Moser - dem Schauspieler, der neben Heinz Rühmann im NS groß geworden ist - und dem einstigen Emigranten Georg Kreisler vorzutragen, alles unter dem Ticket "alte und neue Wiener Lieder".
Da nimmt es dann auch nicht mehr wunder, daß sie das Lied "Was wäre Wien ohne Wiener" von Georg Kreisler so singt, als wäre es einfach ein lustiges Liedchen, auf das man pfeifen könnte, die Textzeile "und statt Antisemitismus gibt's ein Antiquariat" fehlt in dieser spaßigen Darstellung, wo wäre da auch noch der Spaß?
Zu all dem gehörte wohl, daß Frau Fuchs das Problem hat, daß sie weder singen noch artikulieren kann. Erschwert wurde die Situation dadurch, daß sie auch die Texte nicht konnte, was dazu führte, daß sie des öfteren auf der Bühne stand und eine schwarze Mappe vor ihr Gesicht hielt, was nicht soo schlimm war, weil man dann wenigstens nicht in ihr leeres Gesicht schauen konnte. Allerdings mußte man sich in diesen Momenten auf die anderen Körperteile konzentrieren und die bewegten sich eher hilflos über die Bühne. Zwischendurch hat sie Direktkontakt zum Publikum aufgenommen: Kunst zum Anfassen und Mitmachen, Kunst, die von ihrem Publikum nicht mehr will als eine Verständigung darüber, das alles in seiner besten Ordnung sei. Sie hat versucht, etwas über diejenigen zu erzählen, deren Lieder sie vorgab, zu singen. Von Kreisler auf jeden Fall hatte sie ÜBERHAUPT keine Ahnung und auf einen - ihr wohl bekannten - Zuschauer verwiesen, erklärte dieser, das von ihm Taubenvergiften im Park stammt, als wenn er einen für dumm verkaufen wollte. Soviel Dummheit und Ignoranz wurde vom Publikum mit viel Applaus bedacht, ein furchtbarer Abend war endlich zu Ende.

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