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Small Talk mit Islamisten im Marburger Rathaus

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Am 13. März 2006 fand in Marburg eine denkenswerte Veranstaltung statt: im Rathaus empfing die Stadt Experten in Sachen Islam und Verständigung: Ein gewisser Ahmed Dultz von der Islam-Liga Bonn begab sich in den beschworenen Dialog mit zum Beispiel Ingrid Haller, die sich selber als Migrationssoziologen bezeichnet. Unzureichend war die Bemerkung einer Zuschauerin dieses schauerlichen Ereignisses, den Podiumsteilnehmern würde es an Emphathie für die Opfer islamische Terrors mangeln; vielmehr trampelten sie zum Zwecke eines Lehrganges für das Veständnis des Isalms noch einmal auf ihnen herum und verhöhnten all jene, die tagtäglich unter dessen Zumutungen leiden. A. Dörnchen hat für alle aufgeschrieben, was sich dort zutrug:

Dialogue & Conquer

Einander kennen? Wir müssten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Gehirnfasern zerren.
(Danton in „Dantons Tod“, Georg Büchner)

Das Bedürfnis, zu reden, ohne etwas zu sagen, ist ein allgemeines im Land der Gemeinheiten. Anlässlich einiger hässlichen Ausschreitungen von narzisstisch gekränkten islamischen Frömmlern hat die Mehrheitsgesellschaft zu sich selbst gefunden und ist sich weitgehend einig: Nur mehr Islam hilft gegen Islamismus. Als hätte je eine höhere Klippe einen Selbstmord verhindert. Ins Heideggersche Raunen der Völker, die sich auf das ihnen je Eigene und Mitgegebene besännen, stimmt man berückt ein, und wähnt sich schon unterm Siegerkranze zwischen Eichen und Kreuzen.
Mit einem „Dialog der Kulturen“ will man einander helfen, achten, die Schwächen und Stärken aufzeigen, und gefällt sich noch in der Rolle des Analytikers, wo man offensichtlich längst Irrer unter Irren geworden ist und das Gespräch zum Small Talk der Kulturen ward.
Solcher Small Talk hat Regeln: Verletze niemanden, sag nichts Wahres und nichts Falsches, erfreue alle.
Was passiert, wenn sich derartige Gartenzaungespräche zu einem Podium zum Karikaturenkrieg aufplustern, sah man am 13.3.2006 in Marburg. Hatte schon die Form im Rathaussaal unter schlechten Gemälden den Hautgout eines Schildbürgerstreichs angenommen, war der Inhalt gänzlich einer Provinzposse nachempfunden.

Ein jeder packt seine Histörchen aus, einer war schon mal im Irak und hat mit Al Sadr gekuschelt, später ihn auch ganz kritisch beiseite genommen, eine andere führte „viele, viele, viele“ Gespräche mit türkischen Jugendlichen, die nach dem 11.9. zu „Hundert Prozent“ sich diskriminiert fühlen, wieder andere haben schon mal ein Buch gelesen und können das W in George W. Bush mit dem affektiert-belustigten Akzent eines Antiamerikaners sprechen. Ein ganz Wichtiger von der Muslim-Liga-Bonn hat einmal Karikaturen nebeneinander gelegt und festgestellt, dass ja eigentlich Nazikarikaturen den heutigen gleichen und Muslime die Juden von heute sind. Derselbe vergleicht Scharon mit Hitler, was niemandem auffällt oder stört, weil der Vergleich korrekt in zwei Sätze aufgeteilt wurde. Vor allem gibt es viel zu plappern über den Terror der Amerikaner im Irak, dass die Presse im Irak unter Saddam freier war als heute, und dass der Westen ja sein Scherflein zum Okzidentalismus der islamischen Welt beitrug und nun gefälligst auf ewig sein Kreuz in Form des islamistischen Terrors zu tragen hätte. Die Muslime, so habe man angeblich von Friedmann gelernt, müssten sich nur ebenfalls ein mächtiges Heer von Rechtsanwälten aufbauen und schon würden sie nicht mehr diskriminiert. Und selbst wo Kritik noch marginal stattfindet, schlägt sie in ihr Gegenteil um: „statt wie in arabischen Medien stets hinter jedem Baum einen Juden zu suchen“ müsse man, und man hofft, dass nun eine Aufzählung der ärgsten Missstände in islamischen Staaten folgt, aber Enttäuschung zuckt auf, man müsse „in diesem Fall Dänen suchen“ und so bleibt nichts mehr als eine dürre Larvenhaut der Kritik, aus der ihre monströse Verkehrung entschlüpfte.

Bullshittin’ ol’ News

Was da zusammenschießt, ist pathische Projektion par excellence. Grund zur Diskussion hätten die Pogrome an Christen in Nigeria, das millionenschwere Kopfgeld auf Karikaturisten, die Inhaftierung zahlreicher Journalisten in arabischen Staaten, die Schließung von Zeitungen, oder bereits die Morde an Theo van Gogh und Hatun Sürücü und die Fatwa gegen Salman Rushdie sein können. Statt dessen wird eine Jeremiade über den Hass gegen Muslime abgespult, ohne je ein Wort über den Hass der Islamisten zu verlieren. Man weiß mit der bloßen Namensnennung des aktuellen Weltteufels George W. Bush die Lacher auf seiner Seite und allseitige Akklamation segnet endgültig den gebetsmühlenhaften Antiamerikanismus ab, der dem des Islamismus gleichsieht.
Man insinuiert von Sprechverboten und platzt um so offener heraus: Die Juden in Israel sind’s, die schuld am Terror des Islamismus sind. Die jüdischen Rechtsanwälte sind’s, die Pressefreiheit unterdrücken und Springer, der „mächtigste Verlag in Deutschland“ wisse mit perfiden Mitteln wohl zu verhindern, dass seine Mitarbeitenden auch nur ein schlechtes Wort über Israel verlören. Den Muslimen, ja, denen habe man von je all diese irre Macht vorenthalten. Und Protest bleibt aus.
Wo sich 2/3 der braven Bürger antisemitisch gern auch Sonntags äußern, wo von NGO’s bis zu skandinavischen Ministern und britischen Universitäten Israelboykotte en vogue und pc sind, wo antisemitische Gewalt von Frankreich bis Russland grassiert, wo Antisemiten mit Friedensnobelpreisen ausgezeichnet werden, muss sich der Antisemit stets noch zum Opfer vermeintlicher Mächte aufblähen und platzt doch leider nie daran.
Vergeblich bleibt den Wahn mit Argumenten zu bekämpfen.

Brothers in Arms

Es gäbe genug, wogegen sich streiten ließe, aber sobald die Ehre der „ehemaligen Waffenbrüder“, wie eine Podiumsreferentin genug Geschichte im Kopf hat, um daraus nichts zu lernen, verletzt ist, solle Aufklärung über den wahren Islam stattfinden.
Verpflichtet wird zum Interesse an Kultur, wem diese nur das berechtigte Fürchten lehrte. Den Koran solle er lesen, und sich mit islamischer Theologie beschäftigen, danach aber gefälligst nie ein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren, wie kurz der Weg von Koran, Heidegger und Luther zu „Mein Kampf“ von Adolf Hitler ist. Ebenso wie diese Frieden auf Erden wollten, ist der Koran ein Buch des Friedens. Der Zweck heiligt das Mittel, nämlich Krieg und Barbarei, und sakrosankte Friedhofsruhe breitet letztlich sich zum Wohlgefallen aller Überlebenden aus.

Sagt Hunnen! (Ernst Jandl)

Wegen ein paar mäandernden Arabesken auf Kuppelbauten meint man eine völlig andere Kultur vor sich zu haben und leugnet die Gemeinsamkeiten der deutschen Ideologie mit der von Islamisten und macht aus Epigonen Antipoden.
„Ich sprenge sie in die Luft, alle miteinander.“ sagt der Doktor in Büchners Woyzeck als er mit seinen wissenschaftlichen Experimenten seinen Patienten in den Wahnsinn treibt und seiner Zeit noch weiter voraus ist, als er selbst halluziniert.
Deutsche Ideologie, die man gemeinhin Kultur nennt, hat die Islamisten von je integriert, ihre Argumente sind die eines Alfred Rosenbergs oder eines Martin Heideggers nicht erst heute. Die Sympathie des deutschen kulturalistischen Nationalismus, der stets nur ein Plätzchen an der Sonne, Völkerrecht und Völkerverständigung wollte, gilt seit Kaiser Wilhelm bruchlos dem Islamismus. Über deutschen Kolonialbüros in Ostafrika wehte die grüne Fahne des Djihads, Hitler legte seine letzte Hoffnung auf den Islam, Nazis fanden über Ägypten in ganz Arabien Asyl und trieben dort ihr Unwesen weiter, und von Claudia Roth bis zur Muslim-Liga Bonn west der gleiche deutsche Geist der Toleranz gegenüber Vernichtungswahn und Pyromanie fort.

Return to castle Wolfenstein

Idiosynkratische Häme von links wirft den Kritikern solcher freaking habits noch vor, sie seien sich nun ja endlich einig mit Burschenschaften und Ausländerfeinden. Solcherlei Rancune hat nie jemals einen Funken Empathie für die Opfer des Islamismus verwendet. Sie fürchtet immer noch einen Völkermord an Muslimen, wo doch im Namen des Islam täglich aufs Neue die Shoah wahlweise gepriesen oder geleugnet wird und Massenmorde an Muslimen wie Nichtmuslimen von Islamisten begangen werden. Mit dem Antisemitismus der Islamisten findet sich ab, wer den Begriff der „Islamphobie“, von je Kampfvokabel der Islamisten, beschwört. Simple Ausländerfeindlichkeit und Rassismus wird mit berechtigter und begründeter Furcht vor weltweitem Terror gegen Andersdenkende, Frauen, Amerikaner und Juden in eins geworfen. Lieber schaut man zu, wie Journalisten aus Angst um ihr Leben untertauchen müssen, wie sich Presse europaweit selbst zensiert, relativiert jeden neuen islamisch begründeten Mord als Einzelfall von Verrückten, als dass man den Makel eines Kulturkritikers, oder seit Kultur den Begriff Rasse ersetzte: eines Rassisten, an sich haften sehen mag. Im Gestus der Entrechteten lässt sich mit einem Gleichsetzen von Migration, sozialer Deklassierung und Islamismus bequem Solidarität heischen, und es zollt kein Wort der Frage, warum aus katholischen Italienern nicht radikale Katholiken, aus animistischen Afrikanern nicht militante Animisten wurden, und nicht zuletzt, warum die einen Menschen vor Terror, Genitalverstümmelung und Zwangsehe aus islamischen Staaten fliehen und hier in der Regel kein Asyl und an manchen Orten bereits ähnliche Zustände finden, die anderen aber nach drei Generationen Deutschland sich für eine Radikalisierung ihrer Religion entscheiden.
Der Islam wird von denen rassifiziert, die den Islam allein als „Ausländerreligion“ denken können. Als wäre die dritte Generation nicht ebenso deutsch wie Steven Smyrek aus Detmold, als ließe sich aus sozialer Deklassierung das Recht auf Wahn ableiten.
Selbst Muslime, die Opfer des radikalen Islamismus sind, wollen dies oft nicht wahrhaben und projizieren die Ursache ihres Elends noch auf gänzlich unerreichbare Mächte, die USA und Israel. Handlungsfähigkeit wird damit bequem zum Opfer dieser vermeintlichen Übermacht stilisiert und so eint Affiliation und Affirmation der Regimes die Linke, die gemäßigten Muslime und die rechtschaffenen Apologeten des Terrors im „Dialog der Kulturen“. Wo Kultur zum Wert an sich wird, ist man gerne bereit, Individuen zu opfern, die dieser Doktrin sich sträuben, die Opfer von Baath und Islamismus werden zum vernachlässigbaren Überschuss eines cultural lag.
Das Ansinnen, über solcherlei Kultur, die stets zum Totalitären treibt, hinauszukommen, bleibt so desparat wie notwendig. Zwangsläufig wohnt dem inne, religiöse Gefühle zu verletzen und ganz und gar nicht dialogisch auf eine nette Antwort zu warten.

Ebenso, dass Kinder an gewissen Tagen einen Strohmann verbrennen, auch wenn dafür keine Erklärung gegeben würde, könnte uns beunruhigen. Seltsam, dass ein Mensch festlich von ihnen verbrannt werden sollte!
(L. Wittgenstein)

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nichtidentisches@web.de
V.i.S.d.P.: A. Dörnchen, Heinestr. 1, 1789 Horkheim

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