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Studiterror

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Seit Wochen kann man in Marburg Studenten dabei beobachten, wie sie massenweise völlig besinnungslos gegen die Einführung von Studiengebühren protestieren. Vor zwei Wochen fand bereits die erste Autobahnblockade statt, wegen der sich eine noch abseits stehende Menge von einem Typen laut als "VERRÄTER" beschimpfen lies und dann zur Tat schritt: nachdem die aufgepeitschte Menge einige male den sinnigen Schlachtruf von sich gegeben hatte: "Autobahn, Autobahn" setzte sich der Tross in Bewegung, um dem Treiben auf der Stadtautobahn Verstärkung zu verschaffen. Was kann man daraus schließen? Vielleicht, daß Le Bon recht hatte, als er feststellte: "Ferner steigt durch die bloße Zugehörigkeit zu einer organisierten Masse der Mensch mehrere Stufen auf der Leiter der Zivilisation herab. In seiner Vereinzelung war er vielleicht ein gebildetes Individuum, in der Masse ist er ein Barbar, ein Triebwesen" (zitiert nach: Sigmund Freud: Massenpsychologie und Ich- Analyse, 1993, S.40). Zu zweifeln ist allerdings daran, ob es stimmt, daß diese Leute jemals gebildete Individuen waren, zumindest legen sie darauf nicht allzugroßen Wert, sie wollen den Protest, komme was wolle und so steht zu fürchten daß die Marburger AStA- Vorsitzende Lena Behrendes es ernst meint, wenn sie der Frankfurter Rundschau verspricht: "Das ist nur ein Vorgeschmack". Auf einer "Protestseite" dichtet ein armes Würstchen - oder vielmehr jemand, dem es Vergnügen bereitet, sich als ein solches zu stilisieren: "Was haben wir nur verbrochen, dass man uns nicht unsere Talente ausleben lassen will?". Das ist schwierig zu beantworten, wenn man diese Talente nirgends entdecken kann.

Wie schon seit Jahrzehnten fordern die Studenten, daß Bildung "nicht zur Ware" werden dürfen, als wenn es im Kapitalismus irgendetwas anderes geben würde. Aber man bleibt ganz deutsch dabei, die gute Bildung, in der Marburger Politikwissenschaft ohnehin fest in antiglobalisierter Hand, solle sich vom bösen Markte fernhalten und so wettert man gegen eine "neoliberale Umstrukturierung" und die "fortschreitenden Neoliberalisierung" (siehe: Resolution der Besetzer der Univerwaltung in Marburg) Armes Würstchen - nennen wir ihn einfach mal so - dichtet noch weiter: "Was haben wir nur verbrochen, dass man uns die Chance nehmen will, unser Land zu retten?" Ja, man will eben auch dazu gehören, zu diesem Staat, zu diesem Land, man will ihm dienen und der läßt einen nicht so wie man es gerne hätte. Armes Würstchen reicht es eben nicht, die Identität von Studibewegten zu besitzen, er möchte dem ganz großem dienen. Vor wem "unser Land" gerettet werden soll, ergibt sich wohl aus dem - wie Studibewegte es so gerne formulieren - "gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang": Vor globalen Einflüssen, vor allem von denen aus den USA: hier will man lieber in seiner eigenen Masse unter sich bleiben, in der eigenen deutschen Bildungssauce, in der man es als Zumutung empfindet, englische Literatur zu lesen oder englischsprachigen Vorlesungen zu folgen (weswegen in Marburg auch kaum welche angeboten werden) und trotzdem so gerne seine "Talente ausleben" will. Woran man denn auch deutlich erkennen kann, daß mit Nachdenken, Reflexion oder Anstrengungen das ganze nichts zu tun haben will. Und so verkündet die Asta- Vorsitzende auch, man wolle auf medienwirksame Aktionen setzen, denn: "Das zieht mehr Leute mit, als wenn man stundenlang versucht, einzelne mit Argumenten und Flugblättern zu überzeugen". Ja - dieses ewige Argumentieren und Schreiben, das könnte ja etwas mit dem Kopf, mit Vernunft zu tun haben, das ist anstrengend und erfordert in erster Linie etwas, was man zur Zeit in Marburg vergebens sucht: den Willen zur Reflexion. Hier siegt das Ressentiment über jedem Argument. Dieses Foto demonstriert nur allzu deutlich, daß sie den massenhaften Mord nicht ausschließen, daß sie mit ihm drohen und gleichzeitig, daß sie Sympathie haben mit jenen, die in Israel und anderswo ihre antisemitische Tat umsetzen. Wer weiß, vielleicht konnte der letzte Attentäter in Tel Aviv auch nicht studieren? fragt sich der Student im Marburger Hörsaalgebäude und ihm fällt spätestens jetzt ein, daß er die Palästinenser schon immer mochte - die sind auch gegen Israel, genau wie jenes Land, welches man doch gerne retten möchte. Die Radikalität dieser Proteste ist in keinem Sinne ein Aufbegehren gegen die Unzumutbarkeit der Verhältnisse, sie ist die totale Affirmation derselben, und dies schließt jede deutsche Barbarei mit ein.

Mir fehlen die Worte...

Mir fehlen die Worte...

Eigentlich wollte ich hier

Eigentlich wollte ich hier kommentieren, da Du meines Empfindens nach zu sehr von einzelnen Negativ-Punkten auf den gesamten Protest verallgemeinerst..., aber ich rede so ungern mit anonymen Personen und da es hier leider kein Impressum gibt...

Hallo Mike, ich habe recht

Hallo Mike, ich habe recht viel in verschiedene Foren und auf diversen Streikseiten gelesen, eine hörbare Kritik an die offene Symathie für Terroristen habe ich nirgends gefunden, dies ist kein negativ-Pünktchen, wie du es hier ansprichst. Es gestaltet sich schwierig, in einer Masse zu "differenzieren" die sich selber so sehr als eine Einheit bgreift, wie man es vor einigen Wochen hier erleben konnte.
Aber du machst Dich bei mir eh von vornerein höchst unbeliebt, wenn Dein Kommentar mit einem Wort beginnt, bei dem jeder weiß, daß nun eine Aussage folgt, nur um sie postwendend zu revidieren. (aus aktuellem Anlaß folgendes Beispiel: Eigentlich bin ich ja für das Existetenzrecht von Israel, aber ...(und hier kannst du beliebig eine antisemitische Floskel aus den Zeitungen der letzen Wochen einfügen) Deine Empfindungen in allen Ehren, so wirklich interresssieren sie mich allerdings nicht.

Diese linken Faschisten. Ich

Diese linken Faschisten. Ich bin froh, wenn sie alle verhaftet und hinter Gitter sind. Dieses antisemitsche Pack.

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