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Wahnhaftigkeit

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Das kommunale Kino Metropolis in Hamburg zeigt heute den Film "Loose Change", einen Verschwörungstheoretischen, revisionistischen Streifen.

Am elften September dieses Jahres jährt sich der islamistische Terroranschlag in New York und Washington zum sechsten mal. Seither ist die Gefahr der Islamisierung weltweit gestiegen – weitere Terrormorde sollten folgen, wie in Bali, London, Madrid, Casablanca, Istanbul sowie an vielen Orten in Israel. Diese Morde haben bei allen Divergenzen immer das selbe Ziel, sie treffen Menschen, die in den Augen der Terroristen für den Westen und für Freiheit stehen, sie töten beliebige Individuen, weil sie das Individuelle hassen. Die Freiheit einzelner Menschen wollen sie löschen und dagegen halten sie ihre kollektivistischen Phantasien, in denen es außerhalb einer islamischen Umma nichts mehr geben soll. Gerade gestern berichtete die israelische Tageszeitung Ha'artetz:

„Sderot: Neues Schuljahr – neue Raketen
Das neue Schuljahr hat für die Kinder der südisraelischen Kleinstadt Sderot mit einem Raketenhagel begonnen. Allein heute Morgen haben palästinensische Terroristen aus dem Gaza-Streifen sieben Kassam-Raketen auf die Stadt und ihre Umgebung abgeschossen. Auf dem Schulweg ertönten die Sirenen auf ‚Alarmstufe Rot’. Eine der Raketen schlug auf dem Gelände eines Kindergartens ein. Insgesamt zwölf Personen, vor allem Kinder, mussten wegen Schocks in das Barzilai-Krankenhaus in Ashekelon eingewiesen werden.
In der ganzen Stadt waren in den Morgenstunden verzweifelte Eltern auf den Beinen, die ihre Kinder aus der Schule holten und schworen, sie in der näheren Zukunft nicht mehr dorthin zurück zu schicken. Natalie, eine Erzieherin in dem getroffenen Kindergarten, berichtet: „Viele der Kinder schrieen, und wir versuchten, sie zu beruhigen. Ich habe mir auch überlegt, die Stadt zu verlassen, wie ich es in der Vergangenheit schon für einen Monat getan habe. Ich habe ein Kind, und ich will nicht, dass es so etwas erleben muss.“
Der Islamische Jihad, der einmal mehr die Verantwortung für die Raketenangriffe übernommen hat, bezeichnete diese als „Geschenk zum Beginn des Schuljahres“.

Zur unverholenen Verhöhnung der Opfer aller dieser Anschläge zeigt das kommunale Kino Metropolis in Hamburg den Film „Loose Change“, im Ankündigungstext wird die Reaktion der USA damals als „Panikmache“ diffamiert, der sie nun mit einem Film, der angeblich nach Wahrheit suche, entgegentreten wollen: hier gibt es keine islamistische Gefahr, lediglich ein paar ungeheuerliche Verschwörungen, die jeder Realität spottet. Die Lust daran speist sich wohl auch daraus, innerhalb einer guten Stunde ein angebliches Detail nach dem anderen seziert zu bekommen und so dem halluziniert Bösen und Mächtigen beizukommen.
Verschwörungstheorien ist es eigen, daß sie sich vollkommen abdichten gegen Erfahrungen, gegen Zweifel, gegen Widersprüche: das Urteil steht vorher fest, ein solcher Film dient einzig dem Zweck, das eigene antiamerikanische Weltbild bestätigt zu sehen. Dem Antisemiten ist es gleich, was Juden tun und sind, er weiß es bereits. Diese Wahnbilder sind auch mit den besten Gegenargumenten nicht zu entkräften, da es sich um ein komplettes Weltbild handelt, welches an Erkenntnis nicht interessiert ist, sondern lediglich an der Bestätigung des eigenen Ressentiments.

Dieter Bohlen soll einmal gesagt haben „Das Problem ist: mach einem Bekloppten klar, daß er ein Bekloppter ist.“ Und genau dieses Problem liegt auch hier vor: wie soll man Leuten, die gerade in Erwartung sind, einen verschwörungstheoretischen, antiamerikanischen Film zu sehen, mit Aufklärung kommen? Sie werden jubeln und sagen oder denken: ja, großartig, genau darauf sind wir heiß. Versucht man ihnen zu erklären, wo hier der antisemitische Kern liegt, werden sie nur ein müdes Lächeln haben – oder sie werden aggressiv, weil sie ja sich selber für antifaschistisch halten und einem erklären, sie hätten ja gar nichts gegen Juden, sie wollten nur „die Wahrheit“ wissen, sie verachten nur Bush und seinen Kampf gegen den Terror, den sie immer gerne in Anführungsstrichen setzen, als würde es diesen Terror nicht geben. Also, nur los, hinein ins Kino, macht es Euch gemütlich und schaut Euch einen Film an, in dem beschrieben wird, die Erde sei eine Scheibe.

Nun ist allerdings dieser Film ganz sicher eines nicht: explosiv oder provozierend – wie im Programm des Kinos angekündigt; schon als Internet-Film erfreut er sich äußerster Beliebtheit, bricht dort alle Rekorde und referiert das Repertoire aller Islam – Freunde in Europa. Er perpetuiert den Sermon islamistischer Terroristen (die es ja vielleicht gar nicht gibt). Wer allen ernstes Fragen wie „War der Angriff auf das Pentagon ein inszenierter Beschuss einer Cruise missile?“ (Programmheft Metropolis September 2007) für diskutierenswert hält, ist dem Wahn der Islamisten bereits selber verfallen. Was hier als „unvoreingenommen“ daherkommt, ist ein weiterer Kniefall vor einer Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, jeden Gedanken an eine freiheitliche Welt, in der das Individuum mehr ist als die Erfüllung einer gemeinschaftlichen Aufgabe, auszulöschen.

mail an das Kino Metropolis

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